Die Geschichte des Freien Corps Cimbria

Die Geschichte des ehemaligen Freien Corps CIMBRIA beginnt, als am 26. November 1870 neun "Eleven" der Königlich Preußischen Militär-Veterinär-Akademie in Berlin ihren Plan zur Gründung einer studentischen Verbindung in die Tat umsetzen. Auf ihrem ersten Convent entwerfen sie die Statuten der Verbindung, die sie Cimbria nennen. Als Farben wählen sie Grün-Silber-Rot, beschließen jedoch gleichzeitig, diese öffentlich nicht zu tragen. Das war ihnen als Militärpersonen, die Uniform trugen ohnehin verboten. Doch es widerstrebte ihnen wohl - ganz nach Art junger Leute -, ihren Gehorsam so offen zuzugeben. Deshalb erklärten sie, dass das Tragen von Farben überholt sei.  Die strenge Überwachung hinsichtlich der Militärgesetze und des Ehrencodex ist allerdings nicht zu unterschätzen, und Cimbria wird die Auswirkungen später des öfteren noch zu spüren bekommen.  Als Zweck der Verbindung bestimmt man die Pflege des Gesanges und der freundschaftlichen Beziehungen untereinander sowie die Förderung des geistigen und materiellen Wohles. Der Wahlspruch lautet: "Machte tua virtute, puer, sic itur ad astra!". Dieser Hexameter, der "Aeneis" von Vergil entlehnt, wurde in der Erinnerung des alten Cimbern Fritz Alshuth wie folgt übersetzt:"Heil deiner Tugend,  o Jüngling! Sie ist ein Weg zur Unsterblichkeit!".
Am 30.November 1870 findet der zweite Convent statt, auf dem zwei weitere Mitglieder aufgenommen werden. Die somit 11 Gründer sind Georg Hilbrandt, Joseph Peters, Karl Hahn, Max Capelke, Leopold Gaertner, Karl Cleve, Albert Gaedtke, Johannes Loef, Paul Dompke, Hubert Koesters und Max von Kamienski. Auf diesem Convent bestimmt man den 1.Dezember 1870 als offizielles Gründungsdatum der Cimbria und wählt den Vorstand. Erster Sprecher ist Georg Hilbrandt, erster Dirigent des Gesangvereins Karl Hahn, dem am 14.2.1870 Max von Kamienski folgen wird.
Die Gründer der Cimbria sind zwar Soldaten, gehören aber nicht zur aktiven Truppe. Sie   nehmen  deshalb am deutsch-französischen Krieg 1870/71 nicht teil, sondern müssen ihr Studium fortsetzen. Die danach eintretenden Mitglieder waren fast alle Kriegsteilnehmer. Einer von ihnen war z.B. Karl Kieckhäfer, der sich am 14.3.1873 aktiv meldet und bis zu seinem 115. Semester bei keiner wichtigen Veranstaltung der Cimbria fehlen wird.

In ihrem ersten Semester, dem Wintersemester 1870/71, hat Cimbria 15 Mitglieder, im kommenden Semester kommen vier weitere hinzu.

Alle Cimbern erhalten "Biernamen", so z.B. "Box" Max Capelke, "Spund" Leopold Gaertner und "Apoll" Max von Kamienski. Diese drei begründeten die Bier- oder Leibfamilien der "Boxer", "Spunder" und "Apoller". Jedes neue Mitglied wird in eine der Familien eingereiht.

Der weitere Mitgliederbestand ist aus der beiliegenden "Cimbern-Matrikel" zu entnehmen. Bis 1881 sind der Cimbria 135 Studenten beigetreten. In diesem Jahr wird sie vom Leiter der Akademie erstmals verboten, besteht jedoch im Geheimen weiter.

Hugo Löwner, der im WS 1883/84 aktiv wird, schildert 1939 seine Aktivenzeit so:
"Als ich vor 111 Semestern der Cimbria beitrat, war es eine stille, beschauliche Zeit unter Kaiser Wilhelm dem Ersten. Die stürmischen Jahre der Gründerzeit waren vergangen. Auch bei Cimbria ging es  still und bescheiden zu. Damals hatten wir noch keinen Couleurdiener, sondern die Bierfüchse brachten das Bier. Sie mussten auch für den Fidibus sorgen, denn es wurde viel geraucht. Jeder hatte eine Pfeife, die bis zur Erde reichte, versehen mit einer wunderschönen Quaste und einem bunten Wappenkopf. Es gab noch keinen Kohlensäureapparat. Das Fass Bier wurde einfach aufgelegt und angesteckt. Dabei lief viel Bier daneben, aber Cimbria hatte einen prächtigen Couleurhund, der es aufleckte und dann zum Schluss ebenso besoffen war wie die Bundesbrüder. Die Kneipe war bei "Onkel Grüneberg", bei dem auch die Theaterleute tagten."

1889 sind an der Militär-Veterinär-Akademie (MVA) zwei weitere Verbindungen entstanden: Arminia und Obotritia. Gemeinsam mit Cimbria  wird im Oktober 1890 der Seniorenconvent (SC) der Verbindungen an der MVA konstituiert. Es wird unbedingte Satisfaktion gegeben. 1891 kommt es zur ersten Säbelpartie, 1893 folgen dann auch Schlägermensuren. Einer der ersten Paukanten war Fritz Wenzel.

1894 trifft Cimbria das zweite Verbot durch die Militärbehörde. Zu diesem Zeitpunkt haben sich seit Gründung insgesamt 312 Studierende bei der Verbindung aktiv gemeldet.

1897 wird mit Teutonia/Dresden ein Kartellverhältnis eingegangen.

Nach wie vor trägt Cimbria in der Öffentlichkeit keine Farben. Zum 33.Stiftungsfest am 1.Dezember 1903 wird jedoch in Vollwichs chargiert. Die 420. Aktivmeldung seit Beginn der Verbindung kann bekannt gegeben werden. Doch nicht alle Beigetretenen sind auch dabei geblieben. Am 10.11.1906 hat Cimbria 249 Mitglieder, und zwar 220 Alte Herren, zwei Ehrenmitglieder, sechs Inaktive, 16 Aktive und fünf Füchse.

In diesem Jahr tritt auch das Faxenehepaar Bluhme für lange Jahre in die Dienste der Verbindung. Vom Mittagstisch der Frau Clara Bluhme werden nicht nur Generationen von Aktiven der Cimbria, sondern später auch der Arminia schwärmen. Bluhmes werden am 15.September 1940 auf 34 Jahre erfolgreicher und anerkannter Tätigkeit bei Cimbria und Arminia zurück blicken können.

Das dritte Verbot trifft Cimbria am 13.Dezember 1906. Kurt Menzel, der Senior, wird gemaßregelt, indem man ihn zum Regiment zurück kommandiert mit der Begründung, er habe verbotswidrig einer Studentischen Verbindung angehört. Cimbria versucht, die Situation zu retten, indem man erklärt, Menzel sei doch nur Gast. Diese Erklärung verfehlt allerdings völlig ihren Zweck, denn der Inspektor der MVA nimmt sie zum Anlass, allen Studierenden nicht nur erneut die Mitgliedschaft in einer Korporation zu verbieten, sondern nun auch den Status eines zahlenden Gastes. Trotz der Intervention des AH Johannes Goltz, der einigen Einfluss besitzt, bleibt es bei dem Verbot der Militärbehörde.

Die Korporationen der MVA lassen indes nicht nach in ihrem Bemühen um Anerkennung durch die Militärbehörden und haben schließlich Erfolg. Am 24.2.1907 werden die drei Verbindungen des SC, Arminia, Cimbria und Obotritia, durch das Kriegsministerium offiziell anerkannt. Große Verdienste haben sich dabei die Alten Herren Goltz, Pahl, Grimm, Klepp und Löwner erworben. Johannes Goltz, aktiv 1875/76, war seit 1903 (bis 1923) Altherrenvorsitzer und auch Stifter eines Mittagstisches. Otto Pahl wird 1915 den stellvertrenden Vorsitz und das Amt des Schriftführers übernehmen.

1909 überbringt Arminia der Cimbria eine Säbelchargenforderung und verstößt damit gegen eine bis dahin unter den Verbindungen geltende Vereinbarung. Als auch Teutonia/Dresden in diese Richtung einschwenkt, löst Cimbria 1910 das Kartellverhältnis mit dem Corps.

Am 18.4.1910 wandelt sich die bis dahin öffentlich nicht farbentragende Cimbria in eine farbentragende Verbindung um. Die dabei ebenfalls anstehende Entscheidung, ob als Corps oder weiterhin als Verbindung, fällt zunächst zu Gunsten der Verbindung aus.

Vom 26. bis 29.November 1910 wird das 40.Stiftungsfest in großem Rahmen begangen. Zum Festessen mit anschließendem Ball erscheinen 260 Personen. 
Der Festkommers steigt am 29.11. im großen Saal der "Schlaraffia" mit fast 300 Teilnehmern, davon 73 Alte Herren der Cimbria.

Am 5.12.1910 beschließt der AC, die Verbindung Cimbria zum 27.1.1911 in ein Corps umzuwandeln. Zu diesem Zeitpunkt haben sich seit der Gründung 497 Studierende aktiv gemeldet, von denen gut die Hälfte noch im "lebenden Inventar" verzeichnet ist.

In den Semestern 1910 und 1910/11 werden 133 Partien gefochten, und zwar 10 auf schwere Säbel, 22 auf leichte Säbel und 101 Schlägermensuren. Davon werden 87 Partien ausgepaukt, 25 Abfuhren erteilt und 21 erhalten. Außerdem gewährt Cimbria für vier Säbelpartien Waffenschutz. Die Corpskneipe befindet sich zu dieser Zeit in der Elsässer Straße 39 (heute Torstraße) in Berlin N 24.

Der Weltkrieg 1914/18 fordert von Cimbria einen hohen Blutzoll, denn 21 Corpsbrüder fallen ihm zum Opfer.

Nach dem Krieg beginnt sich der Corpsbetrieb langsam wieder zu normalisieren. 1918 wird das bis dahin bestehende Fachprinzip aufgehoben. In der Liste der zu Arminia gekommenen Cimbern erscheint als erster Nichtveterinär der Jurastudent Heinrich Klaar im SS 1919. Im März dieses Jahres wird die erste Nachkriegsmensur gefochten.

Am 28. und 29.11.1919 begeht das Corps sein 49.Stiftungsfest. Am Festkommers nehmen 34 Alte Herren teil.

Vom Sommersemester 1920 ist ein Semesterplan erhalten, der die Intensität des Bundeslebens verdeutlicht:
"Montag:                  Spielabend (meist beginnend mit einem Referat)
Dienstag und Donnerstag: AC und CC
Sonnabend:              Kneipe
Täglich 13.oo bis 14.oo h.: Pauken".
Nach einer halbjährigen Renoncenzeit wird Cimbria am 1.November 1920 in den Rudolstädter Seniorenconvent (RSC) aufgenommen. Zugleich wird die Beziehung zum Corps         Teutonia/Dresden erneuert, mit dem bis 1910 ein Kartellverhältnis bestanden hatte. Am 1.12.1920 entsteht daraus das "Silberne Kartell". Bereits seit 1918 gehört Cimbria dem Allgemeinen Deutschen Waffenring an, der die waffenstudentischen Belange der großen Verbände DB, KSCV, RSC und WSC vertritt.

Das 50.Stiftungsfest wird vom 3. bis 7.Dezember 1920 festlich begangen. Alle Veranstaltungen - der Frühschoppen im Lindenrestaurant, das Tanzkränzchen in den Lichterfelder Festsälen und der Festkommers in den Kammersälen -, sind sehr gut besucht. Allein am Festkommers nehmen 100 Cimbern nebst Angehörigen teil.

Am 25.1.1921 beteiligt sich das Corps am Reichskommers im Marmorsaal der Zoofestsäle.

Auf der Semesterschlusskneipe am 2.3.1921 wird zu später Stunde Magnifizenz Geheimrat Professor Eberlein freudig begrüßt. Dieser hat sich so große Verdienste um die Aufnahme von Cimbria in den RSC erworben, dass man erwogen hatte, ihm die Ehrenmitgliedschaft anzutragen. Die Statuten des SC haben das aber leider nicht zugelassen.

Unter Beteiligung von Cimbria findet am 7.3.1921 eine Gedenkfeier für Oberschlesien in der Aula der Universität statt.

1922 steht das Bundesleben ganz im Zeichen der Verbandsarbeit, denn seit dem 2.5. hat das Corps das Präsidium im Rudolstädter SC inne.

Der Altherrenconvent des 53.Stiftungsfestes wählt die Alten Herren Hentrich zum Vorsitzer, Klepp zum Schatzmeister und Dietrich zum Schriftführer.

Auch 1924 beteiligt man sich wieder an allen korporationsstudentischen Veranstaltungen, wie z.B. dem Reichskommers der Deutschen Studentenschaft am 20.1. in der neuen Aula der Universität, dem Kommers der Waffenstudenten am 5.4. in Potsdam und - mit den Corpsbrüdern Prell, Friz und Kiehn - dem Festkommers aus Anlass des 125jährigen Bestehens der Technischen Hochschule am 1.7. im Marmorsaal der Zoofestsäle.

Das Mitgliederverzeichnis 1924 nennt 220 Alte Herren und 35 Aktive.

Zum 54.Stiftungsfest vom 29.11. bis 1.12.1924 erscheinen 65 Alte Herren. Am traditionellen Lindenbummel am 30.11. nehmen auch 13 Kartellbrüder aus Dresden teil. Das Tanzkränzchen im Landwehr-Offizierskasino in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo ist angereichert mit kulturellen Darbietungen. Die Corpsbrüder Schmerler II und Schulz sowie der Conkneipant Zwirner unterhalten die Gesellschaft mit Klaviervorträgen, und die Couleurdame Editha Heygster - sie wird 1930 die Ehefrau von CB Will Schmidt werden -singt einige Lieder von Johannes Brahms. Den Schlusspunkt des Stiftungsfestes setzt der Festkommers im Hotel "Atlas", bei dem CB Lippstreu, der Senior, die Festrede hält.

Der Fechtbericht des Wintersemesters 1924/25 meldet 38 Partien, von denen 26 ausgepaukt wurden. Vorzeitige Abfuhren gab es 2 auf Seiten der Cimbria und zehn auf der Gegenseite.

1925 fehlt das Corps auf keiner der großen studentischen Veranstaltungen. Es ist überall durch seine Chargierten vertreten, so auch beim Einzug des Reichspräsidenten Hindenburg am 11.5.1925 und bei der Jahrtausendfeier der Rheinlande am 14.6. vor dem Reichstag.

Das 55.Stiftungsfest am 1.12.1925 verläuft sehr harmonisch. Cimbria hat sich innerhalb der farbentragenden und schlagenden Verbindungen hohes Ansehen erworben. Viel hat dazu beigetragen, dass sich seit geraumer Zeit immer mehrere Corpsbrüder in den höchsten Gremien der studentischen Selbstverwaltung betätigt haben. So hatte z.B. CB Prell das Amt des stellvertretenden Sprechers im Ausschuss der Studentenschaft inne. Bei den Wahlen zur Studentenvertretung im Januar 1926 tritt er als Spitzenkandidat der Fraktion der Berliner Waffenstudenten an und erringt 1144 Stimmen. Seine Fraktion erhält damit 23 Sitze.

Der Fechtbericht des Sommersemesters 1926 meldet 24 Schlägerpartien und eine auf Säbel. 12 Partien wurden ausgepaukt, Cimbria erteilte sieben Abfuhren und musste fünf hinnehmen.

Am 4.12.1926 verleiht das Corps Oberleutnant Karl Klepp das Ehrenband der Altherrenschaft wegen besonderer Verdienste um die Verbindung.

Den Höhepunkt des Jahres setzt das 56.Stiftungsfest vom 9. bis 12.12.1926. Zur Tradition dieser Feste gehört der Couleurbummel Unter den Linden, an den sich jeweils ein Frühschoppen anschließt. Diesmal findet er im Lindenrestaurant statt. Für den Festball und den Festkommers hat man das Lehrervereinshaus gewählt. Die Festrede auf dem Kommers hält CB Jocks.

Nach dem Fechtbericht des Sommersemesters 1927 wurden 33 Partien gefochten, wobei Cimbria drei Abfuhren erteilte, aber fünf hinnehmen musste.

Die Veranstaltungen des 57.Stiftungsfestes vom 1.bis 4.12.1927 finden im großen Festsaal der "Schlaraffia" statt. Die Damenrede auf dem Ball hält der iaCB Coehn, der auch einige Gesangseinlagen bietet (die Arminen haben später solche Darbietungen von ihm auch noch häufig erlebt). Die Vaterlandsrede auf dem Festkommers hält AH Maaß.

Im Wintersemester 1927/28 erhält Cimbria nach dem Corps Borussia das Präsidium im Rudolstädter SC zu Berlin. Am 19.1.1928 findet die Reichsgründungsfeier statt. Wie die "Tägliche Rundschau" vom 20.1.1928 ausführt, waren zu dieser Feier 600 alte und junge Corpsstudenten erschienen, die durch eine straffe Disziplin glänzten. AH Melzer heißt die Herren Vertreter des Reichswehr- und des Reichsmarineministeriums willkommen und ergreift anschließend das Wort zur Vaterlandsrede.

Im Sommersemester 1928 wird jeden Tag von 19.oo bis 19.45 Uhr gepaukt. Couleurzwang herrscht von 8.oo bis 16.oo Uhr, außer freitags, denn da ist Mensurtag. Der Mittagstisch findet täglich ab 13.oo Uhr statt, und Convente sind immer montags.

1928 wird Cimbria zum Protokollanten des RSC gewählt. Am 3.Juni 1929 wird das Corps sogar erneut das Verbandspräsidium übernehmen, da es Staufia/Leipzig wegen Mitgliedermangels vorzeitig abgeben muss.

In der Altherrenschaft stellt man mittlerweile Überlegungen an, ein eigenes Corpsheim zu erwerben. Die Aufwendungen für die gemieteten Wohnungen sind zu hoch. So zahlt Cimbria derzeit die für damalige Verhältnisse horrende Monatsmiete von 300 Mark. Hinzu kommen noch die weiteren Nachteile einer Mietwohnung. Vier Corps haben bereits eigene Häuser: Teutonia, Saxonia, Cheruscia und Franconia.

Auf dem 58.Stiftungsfest vom 30.11. bis 3.12.1928 werden dem AHC (1.12.) Vorschläge zum Erwerb eines Corpshauses unterbreitet. Lange Debatten sollen folgen. Die Veranstaltungen des Stiftungsfestes finden im Saal des Rathauses Friedenau statt. Die Damenrede auf dem Festball hält wieder iaCB Coehn. Auf dem Festkommers am nächsten Tag hört man von AH Melzer die Rede auf das Vaterland, und der Inaktive Curt Weißleder trägt die Altherrenrede vor.

Zum Fechtbetrieb des Wintersemesters 1928/29 wird über 55 Schläger- und eine Säbelpartie berichtet. Cimbria erteilte 13 Abfuhren mit 52 "Blutigen" und empfing neun Abfuhren mit 36 ""Blutigen" bei 59 Nadeln. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Cimbria auch eine hervorragende Handballmannschaft besitzt, die von CB Poetsch geführt wird.

Am 15.6.1929 findet das Verbandssportfest der Waffenstudenten statt. Die 3x1000m-Staffel des SC belegt den 3.Platz. Zu dem staatspolitischen Vortragsabend des SC am 19.6. waren die Teilnehmer aber schon wieder bei Kräften.

Am 21.7.1929 beschließt Cimbria den Austritt aus dem "Silbernen Kartell", da der Kartellbund Corps Gothia daran festhält, mit der Freien Landsmannschaft Askania/Köthen zu verschmelzen.

Der Fechtbericht für das Sommersemester 1929 meldet 37 Schläger- und sechs Säbelpartien. Cimbria erteilte acht und erhielt zwei Abfuhren. Die "Blutigen" wurden mit insgesamt 135 Nadeln geflickt.

Bei den Studentenschaftswahlen 1929 wird iaCB Brandes zum Vorsitzenden im Gesamtausschuss für Leibesübungen der Berliner Hochschulen gewählt. Der RSC zu Berlin wählt ihn außerdem in den Ausschuss der Studierenden an der Tierärztlichen Hochschule. CB Lübbert gelangt als Vertreter des SC in die Fraktion Berliner Waffenring der Allgemeinen Studentenschaft.

Bei den Vorstandswahlen des 59.Stiftungsfestes werden die Alten Herren Brandes zum Vorsitzer, Klepp zum Schatzmeister und Dietrich zum Schriftführer gewählt. Es wird ein Corpshausfonds gegründet, zu dessen Auffüllung jeder Alte Herr vierteljährlich 10 Mark zahlen muss, bis jeweils die Summe von 100 Mark erreicht ist.

Am 1.12.1929 beschließt Cimbria den Austritt aus dem RSC, der am 19.1.1930 vollzogen wird.

Auch im Wintersemester 1929/30 kann das Corps erfolgreich in der studentischen Selbstverwaltung mitarbeiten. CB Lübbert leistet ein unglaubliches Pensum als zweiter Vertreter der Deutschen Studentenschaft des Kreises X (Mark Brandenburg). IaCB Brandes ist Vorsitzender im Gesamtausschuss für Leibesübungen der Berliner Hochschulen, weiterhin Vorsitzender der veterinärmedizinischen Fachgruppe der Deutschen Studentenschaft. CB F. Eplinius bewährt sich als Verwaltungsratsmitglied des Studentenwerks Berlin und ist gleichzeitig Mitglied des Wirtschaftsausschusses der Universität und der juristischen Fachschaft.

Nach dem Stand der Mitgliederliste vom 1.Juni 1930 hat die Aktivitas 61 Mitglieder.

Am 30.4.1930 steigt die traditionelle Maibowle, gefolgt von der Semesterantrittskneipe am 3.5., auf der Vertreter fast aller Berliner Burschenschaften begrüßt werden können. Das Gästebuch zeigt auch die Unterschriften von 13 Alten Herren.

Eine gut besuchte Spielkneipe am 24.5.1930 wird mit einem Referat des CB Müller III eröffnet. Er spricht über das Thema "Indiens Unabhängigkeitskampf von England".

Anlässlich einer Protestkundgebung im Lustgarten gegen "die Kriegsschuldlüge und das Versailler Diktat" chargiert das Corps.

Es folgen noch zwei Vortragsveranstaltungen - 28.6. iaCB Schmerler II über "Aktuelle Probleme in der Luftschifffahrt" und am 19.7. AH Bolz über "Reiseeindrücke nach Moskau" -, bevor mit der Schlusskneipe und 17 anwesenden Alten Herren das Semester beendet wird. Die Berichte auf dem Semesterschlussconvent nennen zwar nur vier Schläger- und vier Säbelpartien, dafür aber wieder erfreuliche Aktivitäten in der studentischen Selbstverwaltung. Dort fungiert Gräfe als Kreisamtsleiter des Auslandsamtes der Universität und ist zugleich stellvertretender Vorsitzender der Fraktion des Berliner Waffenrings. Brandes ist Vorsitzender des studentischen Gesamtausschusses für Leibesübungen der Berliner Hochschulen und Mitglied in der Fachgruppe Veterinärmedizin der Deutschen Studentenschaft. Schmerler II schließlich ist Schriftführer an der Technischen Hochschule.

Das 60.Stiftungsfest vom 5. bis 7.12.1930 beginnt mit einer Landesvaterkneipe. Der Begrüßungsrede des Seniors Wasmus folgen die Altherrenrede von CB Friedrich und die Vaterlandsrede von CB Staufenbiel. Die Damen treffen sich während dessen im Haus Vaterland. Am 6.12. findet im Friedenauer Rathaussaal der Festkommers statt. Noch zahlreicher als am Vorabend sind die Corpsbrüder erschienen, und fast alle Berliner Burschenschaften haben ihre Vertreter entsandt. AH Maaß hält die Festrede, und iaCB Lippstreu behandelt in seiner Altherrenrede den Weg des Corps in der Verbandsfrage. Zum Schluss des offiziellen Teils erreicht die glänzende Stimmung ihren Höhepunkt, und viele der anwesenden Damen nehmen gern die Einladung ins Corpsheim an. Der Festball mit vorangegangenem Festessen im Kaisersaal am Zoo bildet den krönenden Abschluss. Die Ballsaison wird von Cimbria dann mit dem Besuch des Hochschulballs der Tierärzte am 3.2.1931 im Kaisersaal bei Kroll beendet.

Drei Wochen später, am 24.2.1931, zieht das Corps in das neue Corpshaus in der Englischen Straße 11 in Charlottenburg (Tiergarten).

Der Fechtwart berichtet, dass im Wintersemester 1930/31 22 Schlägerpartien gefochten wurden. Cimbria erteilte vier Abfuhren mit 25 "Blutigen" und 58 Nadeln sowie eine Klinikabfuhr und musste selbst zwei Abfuhren mit 10 "Blutigen" und 20 Nadeln hinnehmen.

Das Sommersemester 1931 ist das erste im eigenen Corpshaus.

Am 27.6.1931 chargiert Cimbria bei der "Protestkundgebung gegen die Kriegsschuldlüge" in Potsdam.

Der 11.7.1931 vereint eine stattliche Anzahl von Cimbern nebst ihren Damen bei einem Dampferausflug nach Nedlitz.

Anlässlich des 25jährigen Dienstjubiläums des Corpsdieners Paul Bluhme und seiner Frau Clara steigt am 17.7.1931 eine Kneipe zu ihren Ehren, die der Senior mit einer Ansprache auf das Jubelpaar eröffnet. Als Geschenke überreichen die Aktiven 70 Mark und die Alten Herren 30 (!) Mark. Bei froher Stimmung, die durch das von Bluhmes gestiftete Freibier schon bald eintritt, feiert man bis zum frühen Morgen.

Die Semesterschlussberichte melden neben 16 Schlägerpartien und einer auf Säbel weiterhin erfolgreiches Engagement in der studentischen Selbstverwaltung. So ist iaCB Gräfe Referent für wehrpolitische Fragen an der Universität, iaCB Coehn Referent für Hochschulreform an der Technischen Hochschule, und die CBCB Brandes und Reuter sind Mitglieder der Vereinigung von Studierenden der Tierärztlichen Hochschule. IaCB Gräfe bekleidet außerdem die Ämter des stellvertretenden Leiters des Kreises X (Mark Brandenburg) und des Kreisauslandsamtes der Universität.

Schon seit längerer Zeit pflegte Cimbria gute Beziehungen zu den Berliner Burschenschaften, was sich auch darin dokumentierte, dass man häufig gegenseitig an Veranstaltungen teilnahm.Als dann das Corps Obotritia sich in eine Burschenschaft verwandelte, wollte man es ihm gleichtun. Doch dann hätte man den Namen und die Farben ändern müssen, denn in Berlin gibt es eine Burschenschaft Cimbria  und eine Burschenschaft, die die Farben Grün-Silber-Rot und eine Mütze trägt, die der der Cimbria in Form und Farbe gleicht, nämlich Hevellia. So erwog man schließlich, mit der Burschenschaft Arminia zu fusionieren, zu der enge Beziehungen bestanden. Das aber rief die Deutsche Burschenschaft auf den Plan, die - vermutlich aus Sorge, dass da eine "übermächtige Verbindung" entstehen könnte - sich vehement widersetzte. 
Die Sorge ist zwar unverständlich, aber wohl - insbesondere in Berlin - aus einem gewissen Konkurrenzneid geboren. Denn auf dem Ball der Korporationen am 17.11.1931 ist Cimbria die stärkste Verbindung. All die Widrigkeiten bringen das Corps aber nicht vom Weg in die Burschenschaft ab. Die Kontakte zu Arminia werden intensiviert, und man sucht gemeinsam nach einer Lösung.

Auch auf dem 61.Stiftungsfest vom 28.11. bis 1.12.1931 ist das vermutlich das Thema, das die Teilnehmer am meisten beschäftigt. Auf dem Festkommers im Tiergartenhof hält Reuter die Vaterlandsrede, während die Rede auf die Alten Herren Schaper obliegt, der an diesem Tag Salchert als Senior abgelöst hat.

Die Weihnachtskneipe am 19.12.1931 ist so gut besucht, dass es große Mühe bereitet, alle Gäste an der Kneiptafel unterzubringen.

Vom Wintersemester 1931/32 ist der Institutenplan überliefert, der bei den heutigen Aktiven nur ungläubiges Kopfschütteln erzeugen dürfte:
Montags bis freitags: Eine Stunde Schlägerpauken, dazu montags noch eine Stunde auf Säbel und anschließend Convente. An jedem Sonnabend wurde von 14.oo bis 16.oo Uhr Sport getrieben. Jeweils Dienstag und Freitag um 12.oo Uhr fanden die Stehconvente an den Hochschulen statt, und um 13.oo Uhr hatte man pünktlich an Mutter Bluhmes Mittagstisch zu erscheinen. Die wöchentliche Kneipe war ebenso selbstverständlich, wie Mensurböden und offizielle Besuche von Veranstaltungen anderer Bünde.

Das Wintersemester 1931/32 - es sollte das letzte "aktive" Semester der Cimbria sein - endet mit der Schlusskneipe am 27.2.1932. Zuvor hatte der Schlussconvent noch über erfolgreiche 37 Schlägerpartien berichtet und die Chargierten für das nächste Semester gewählt. Letzter Senior wurde Schaper, flankiert von Rönnefahrt(XX) und Rühl (XXX).

Ein BC am 17.4.1932 beschließt, das Corps Cimbria aufzulösen und alle Mitglieder in die Berliner Burschenschaft Arminia zu überführen, allerdings unter der Voraussetzung, dass die zwischen beiden Verbindungen ausgehandelten Bedingungen erfüllt werden. Anderenfalls werde das Corps restituiert. Der Beschluss wird mit 47 Für- und vier Gegenstimmen angenommen.
Als letzte Amtshandlung beschließt der BC, den Mitgliedern des Altherrenvorstands der Arminia, Dr.Gollmann, Hauske, Engels, Wunderlich und Reichelt sowie dem Sprecher der Aktivitas, Wilhelm Kruse, das Ehrenband des Corps zu verleihen.

Am 18.4.1932 finden die entsprechenden Convente bei Arminia statt. Der IC beschließt die Aufnahme der aktiven und inaktiven Cimbern mit 40 Für- und vier Gegenstimmen. Die Altherrenschaft hatte zu schriftlicher Stimmabgabe aufgefordert und verkündete auf dem Bundesconvent das Abstimmungsergebnis mit 142 Pro- und 13 Contrastimmen.

Die feierliche Aufnahme erfolgt am 23.4.1932. Es treten 244 ehemalige Cimbern - 199 Alte Herren und 45 Aktive - einzeln in die Burschenschaft Arminia ein. Die Jungburschenschaft hat damit 100 Mitglieder: 13 Füchse, 17 Jungburschen, 43 Altburschen am Ort und 27 auswärts.

Das klingt reibungslos und unproblematisch, war es aber keineswegs. Arminia hatte Neid, Missgunst und bornierte Aversionen gegen "nichtburschenschaftliche" Mitglieder in der DB wohl unterschätzt. 
So wird vom Burschentag 1932 nicht nur der Antrag auf Genehmigung der Aufnahme der Cimbern mit 32:121:3 Stimmen abgelehnt, sondern es werden noch insgesamt 6 verschiedene Strafanträge gegen Arminia verhandelt, die von zeitweiligem Ausschluss über Zurückversetzung in den Probezustand für 8 Semester bis zum Verweis reichen. Letzterer wird allerdings zur Rettung der Situation vom eigenen Kartell gestellt und schließlich auch angenommen. Bemerkenswert ist auch, dass sich die VaB Groß-Berlin - damals Vorort der VaB - mit großer Mehrheit bei den Gegnern einreihte. Die leidige Angelegenheit wurde erst später von der neuen "Bundesführung" der DB beigelegt. Es ist anzunehmen, aber nicht belegt, dass diese feindselige Einstellung der DB dazu geführt hat, dass etliche Cimbern kurz nach der Vereinigung den Bund wieder verlassen haben.

1957 wurde einmal die zahlenmäßige Entwicklung der 1932 übernommenen Cimbern wie folgt resümiert:
Von 244 sind 21 im Krieg gefallen, 72 gestrichen worden und 71 ausgetreten. Geblieben sind also 80.

Insgesamt waren von 1870 bis 1932 bei Cimbria 701 Studierende eingetreten. Jetzt, im Februar 2006, freuen wir uns, noch einen Cimbern in unseren Reihen zu haben. Es ist 
Fritz Alshuth, aktiv geworden im Sommersemester 1931, der mit nunmehr 95 Jahren, die man ihm einfach nicht abnehmen will, immer noch erfreulich und unverzichtbar für unseren Bund aktiv ist.